Mit „Dear me, I was…“ wagt Arc System Works einen Schritt abseits seiner gewohnten Revierkämpfe. Statt blitzschneller Kombos und Effektfeuerwerk erwartet uns hier ein stilles, fast schon träumerisches Erlebnis. Unter der Regie von Maho Taguchi und mit der unverwechselbaren Bildsprache von Taisuke Kanasaki entfaltet sich ein interaktives Erinnerungsstück, das eher gefühlt als gespielt wird.
„Dear me, I was…“ will kein Spiel im klassischen Sinn sein – und macht daraus auch keinen Hehl. Statt komplexer Mechaniken wartet hier eine kurze, klar geführte Reise durch das Leben einer Frau, von der ersten Erinnerung bis zu ihren letzten Momenten. Die Interaktion bleibt sparsam und bewusst zurückhaltend: ein Klick hier, ein sanftes Weiterblättern dort, kaum mehr als ein Hauch von Kontrolle – aber genau das passt zu der leisen, nachdenklichen Stimmung, die das Spiel durchzieht.

Visuelle hervorragend
Hier entfaltet Dear me, I was… seine ganze Wirkung. Jede Szene wirkt wie ein bewegtes Gemälde: sanft fließende Aquarellfarben treffen auf handgezeichnete Figuren, deren Bewegungen durch Rotoskopie eine fast filmische Natürlichkeit bekommen. Das Ergebnis ist ein zarter, verträumter Look, der irgendwo zwischen Erinnerung und Wirklichkeit schwebt. Die Musik tritt dabei bewusst in den Hintergrund – leises Klavier, vereinzelte Geräusche, manchmal nur Stille. Statt Emotionen zu lenken, lässt sie sie atmen. Alles wirkt bedacht komponiert, als würde das Spiel lieber zeigen, als erklären.

Die Geschichte erzählt das Leben einer Frau – ihre Freude, Verluste, Begegnungen, alltäglichen Momente. Ohne Dialoge oder erklärende Texte soll der Spieler selbst fühlen, was passiert. Das gelingt teils sehr wirkungsvoll: Einige Szenen erzeugen tatsächlich eine sehr starke emotionale Wirkung und bleiben im Gedächtnis.

Fazit
Dear me, I was… ist ein mutiges, gut gestaltetes Werk, das seine Zielgruppe klar hat: Menschen, die sich auf eine ruhige, künstlerische, nachdenkliche Erfahrung einlassen möchten. Wenn man erwartet, ein klassisches Spiel mit Spielmechanik und langer Spielzeit zu bekommen, könnte man enttäuscht sein. Wer jedoch offen ist für eine kurze, bildstarke Geschichte mit minimalem Gameplay, wird hier etwas Besonderes finden.











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