Hades II bringt das gefeierte Action-Roguelike-Universum in Form eines atmosphärisch dichten Sequels zurück. Unter der Leitung von Supergiant Games setzt das Spiel auf eine Mischung aus rasanten Kämpfen, mythologischer Tiefe und neuen Systemen und fängt so die Essenz des Vorgängers vollständig ein. Ob es sein Potenzial ausschöpft, sich als echtes Genre-Highlight entpuppt und neue Maßstäbe setzt oder lediglich die Erwartungen erfüllt, verraten wir in unserer Review.
Der Story-Modus von Hades II führt durch die neuen Ebenen der Unter- und Oberwelt. Zu den Schauplätzen gehören unter anderem das Reich des Oceanus, die Felder der Trauer und die vom Krieg gezeichnete Stadt Ephyra. Im Vergleich zum Vorgänger ist er deutlich umfangreicher. Neue Schauplätze, frische Dialoge, aufwendig inszenierte Charakterinteraktionen und eine Vielzahl narrativer Ereignisse sorgen dafür, dass sich jeder Moment lebendig anfühlt. Auch die Nebenstränge und die anspruchsvollen Bosskämpfe, die sich deutlich an den Titanenschlachten der griechischen Mythologie orientieren, treiben die Handlung dynamisch voran.

Das narrative Erlebnis ist nicht nur aufgrund der Inszenierung, sondern auch aufgrund der Vielzahl neuer, auf die Geschichte abgestimmter Mechaniken so besonders. Dazu gehören innovative Ressourcensysteme, bei denen Reagenzien gesammelt und verschiedene Werkzeuge genutzt werden, um seltene Rohstoffe zu finden. Außerdem gibt es erweiterte Erkundungs- und Interaktionsmöglichkeiten im Hub-Bereich, dem Versteck der Hexen. Letztere nutzen Melinoës magische Begabung, um die Umgebung zu manipulieren und Bindungen zu Verbündeten durch Gaben zu stärken. Auch im Kampf gibt es Neuerungen. So lassen sich beispielsweise magische Zauber parallel zu den Waffenfertigkeiten einsetzen, Tierbegleiter als permanente Unterstützung rufen oder ganze Gegnerscharen in komplexen Arena-Abschnitten und innerhalb der belagerten Stadtstrukturen vernichten. Diese neuen Ansätze verleihen dem Spiel eine eigene Dynamik und heben es spürbar von einer reinen Fortführung des ersten Teils ab.

Nacht-Waffen und olympische Synergien
Hades II erweitert das Arsenal der Nachtwaffen erheblich. Sechs völlig neue Waffentypen feiern ihr Debüt und werden durch zahlreiche Aspekte ergänzt, die den Spielstil grundlegend verändern. Zudem kehren viele beliebte Göttergaben zurück und sind nun fest in das neue System der Elementar-Infusionen integriert. Insgesamt steht somit ein gewaltiger Zuwachs an strategischer Vielfalt und spielerischer Abwechslung zur Verfügung. Darüber hinaus können verschiedene Gaben der Götter nun effektiver kombiniert werden, wodurch sich neue strategische Möglichkeiten eröffnen. So können beispielsweise Apollo und Hestia durch Synergien im Kampf eingesetzt werden, ähnlich wie die Duos im Vorgängerspiel.

Ein weiteres Highlight sind die Omega-Angriffe. Dabei handelt es sich um eine bedeutende Neuerung: Melinoë kanalisiert Magie, um verstärkte Varianten ihrer Attacken auszuführen und ihre Kräfte zu bündeln. Auch die Standardfähigkeiten erhalten dadurch neue Nuancen, da sich ihre taktische Anwendung durch den Magieeinsatz unterscheidet. Dadurch werden völlig neue Angriffsrouten ermöglicht. Zudem führt das Spiel das Arkan-Kartensystem ein. Dieses ist vor jedem Versuch im Hub-Bereich verfügbar und bietet eine zusätzliche Möglichkeit zur Personalisierung und Strategieentwicklung mithilfe magischer Karten.

Das Testament der Nacht
Zusätzlich hat man nun die Möglichkeit, die Herausforderungen in Form des „Testaments der Nacht“ auf verschiedenen Schwierigkeitsgraden, den sogenannten Angst-Stufen, erneut zu erleben. Eine weitere bemerkenswerte Ergänzung ist das Inkantationssystem, ein fortschrittsbasierter Modus am Kessel. In diesem schaltet man sich nach und nach neue Spielmechaniken und Verbesserungen der Spielwelt frei. Auch hier stehen verschiedene Komplexitätsstufen zur Auswahl. Auf den einzelnen Pfaden können seltene Reagenzien freigeschaltet werden. Zufällige Begegnungen mit Götterboten und spezielle Herausforderungen für permanente Boni sorgen für eine extrem hohe Wiederspielbarkeit.

Das Spiel überzeugt zudem riesigen Auswahl an neuen Sammelobjekten und Personalisierungsoptionen. Neben den bereits bekannten Andenken gibt es nun auch Garten-Ressourcen, Metaprogression-Stoffe wie Asche und Psyche sowie Dekorationen für den Hub-Bereich. Darüber hinaus wurden Schicksalsprophezeiungen und verbesserte Werkzeuge für den Erzabbau hinzugefügt. Mithilfe dieses Systems ist eine umfassende Anpassung des Spielerlebnisses möglich. Im Profil können verschiedene Keepsakes ausgerüstet und durch Fortschritte zusätzlich verstärkt werden. Auch das Affinitätssystem ist wieder mit dabei: Je mehr Zeit man mit Charakteren verbringt, desto tiefer wird die Bindung und desto mehr Belohnungen werden freigeschaltet. Dank der enormen Anzahl an Dialogen und Waffen-Upgrades erreicht das Spiel eine beispiellose Tiefe.

Arkane Macht und taktische Finesse
Auch im Detail wurde das Kampfsystem angepasst. So wurde beispielsweise das Magie-System eingeführt, das das unüberlegte Spammen von Spezialangriffen taktisch begrenzt. Gleichzeitig ermöglicht das überarbeitete Sprint-System durch direkte Ausweichmöglichkeiten flüssigere Bewegungsabläufe. Die allgemeine Kontrolle über die Spielfigur und das Gefühl für diese wurden ebenfalls spürbar verbessert. Die Zaubermechaniken wurden neu belegt und können nun auch zur effektiven Gebietskontrolle eingesetzt werden. Das macht in den schnellen Kämpfen einen subtilen, aber entscheidenden Unterschied. Auch die neuen Kanalisierungs-Angriffe, bei denen man kurz verharrt und dann Magie entlädt, verändern das Tempo der Kämpfe. In Kombination mit den Arkan-Karten eröffnen sie zudem neue Strategien.

Audiovisuelle Brillanz im Schatten der Nacht
Ein wichtiger Fokus von Hades II liegt auf der technischen Optimierung des Gameplays. Das Spiel bietet von Beginn an ein hochgradig poliertes Spielerlebnis, das einen direkten Einstieg ermöglicht. Obwohl Roguelikes oft mit komplexen Effekten zu kämpfen haben, zeigen die Entwickler, dass sie aus dem ersten Teil gelernt haben und eine stabilere sowie funktionsreichere Umgebung bieten können. Dies ist entscheidend für die Langzeitmotivation und den Wiederspielwert.

Technisch überzeugt Hades II auf ganzer Linie. Die Kämpfe laufen flüssig mit einer stabilen Bildrate, die Ladezeiten sind extrem kurz und die Steuerung reagiert äußerst präzise. Die visuelle Darstellung bleibt dem handgezeichneten Stil mit sauberen Linien und stimmigen Animationen treu und fängt den Geist der Mythologie perfekt ein. Die verschiedenen Biome bieten visuelle Abwechslung, während das Sounddesign mit passenden Treffergeräuschen, druckvollen Effekten und atmosphärischer Musik überzeugt. Der Übergang vom ersten Spiel zu diesem Sequel fühlt sich wie ein bedeutendes Upgrade an, das neue Maßstäbe für das Genre setzt. Inhaltlich wie technisch macht das Sequel einen spürbaren Schritt nach vorn.

Fazit
Hades II ist weit mehr als nur eine sichere Fortsetzung. Es ist eine mechanische und erzählerische Evolution. Supergiant Games verzichtet auf bloße Kopien und setzt stattdessen auf ein völlig neues Spielgefühl. Dieses wird durch Melinoës Fokus auf Magie und die massive Erweiterung der Spielwelt, inklusive der Oberwelt, erreicht. Das Spiel schafft den Spagat, die vertraute Dynamik des Vorgängers beizubehalten und gleichzeitig durch das neue Ressourcen-Management und das Arkan-System eine deutlich höhere taktische Tiefe zu erreichen. Wer glaubte, das Roguelike-Genre sei auserzählt, wird hier eines Besseren belehrt. Hades II wirkt in jedem Detail präziser, inhaltlich reicher und spielerisch runder als sein bereits exzellenter Vorgänger. Es ist schlichtweg der neue Goldstandard für das Genre.
Hades II erscheint am 14.04.2026 für die PlayStation 5 und ist bereits für die Nintendo Switch 1 & 2 und den PC über Steam und den Epic Games Store erhältlich.











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