Mit Yakuza Kiwami 3 & Dark Ties feiert Ryu Ga Gotoku Studio nicht nur das 20-jährige Jubiläum der Reihe, sondern wagt auch etwas, das längst überfällig war: Yakuza 3 wurde nicht einfach nur neu aufpoliert, sondern neu verpackt und mit Dark Ties gleichzeitig ein düsteres Gegenstück zur Seite gestellt. Das Ergebnis ist ein Doppelpaket, das emotional mitreißt, spielerisch überzeugt und auch zeigt, wo die Wurzeln der Serie noch immer spürbar sind. Wie gut geklappt hat, erfahrt ihr im Test!
Das ursprüngliche Yakuza 3 galt lange als erzählerisch wichtig, spielerisch jedoch sperrig. Kiwami 3 setzt genau hier an und überarbeitet vor allem das Kampfsystem grundlegend. Der dynamische Wechsel zwischen Dragon of Dojima: Kiwami Style und dem neuen Ryukyu Style sorgt für deutlich mehr Tiefe. Während der klassische Dojima-Stil Kiryu als kompromisslosen Straßenkämpfer verkörpert, bringt der waffenbasierte Ryukyu-Stil taktische Abwechslung und eine spürbar andere Kampfphilosophie ins Spiel.

Diese Neuerungen machen Kämpfe nicht nur flüssiger, sondern auch strategischer. Gegner lesen sich besser, Combos fühlen sich präziser an, und das frühere Gefühl zäher Schlagabtausche verschwindet weitgehend. Spielerisch ist Kiwami 3 damit klar näher an den modernen Serienteilen als am Original.
Abseits der Kämpfe bleibt das Spiel seiner Identität treu. Morning Glory fungiert weiterhin als emotionales Zentrum, wird aber stärker in das Gameplay eingebunden. Die Interaktion mit den Kindern ist kein bloßer Story-Aufhänger, sondern Teil eines Fortschrittssystems, das Kiryu bewusst als Vaterfigur definiert. Das entschleunigt das Tempo – funktioniert aber als bewusster Kontrast zur Gewalt der Hauptgeschichte.

Mit Bad Boy Dragon integriert das Remake zudem einen neuen Modus, der Management-Elemente, Motorrad-Action und Kämpfe kombiniert. Nicht jede Mission überzeugt gleichermaßen, doch die Idee erweitert das bekannte Yakuza-Gerüst sinnvoll und verhindert spielerische Monotonie.

Dark Ties – Wenn der Antagonist die Bühne übernimmt
Während Kiwami 3 die Vergangenheit neu schreibt, blickt Dark Ties bewusst in die Grauzonen. Yoshitaka Mine war nie ein klassischer Bösewicht und genau das macht dieses Spin-off sich zunutze.
Mine kämpft ganz anders als Kiryu. Sein an Shoot-Boxing angelehnter Kampfstil ist schnell, elegant und deutlich aggressiver. Hier geht es weniger um Standhaftigkeit als um Timing, Bewegung und brutale Effizienz. Mit Dark Awakening kippt das System endgültig in Richtung Kontrollverlust: neue Kombos, gnadenlose Finisher und ein Kampfrausch, der sich spürbar von Kiryus Ehrenkodex unterscheidet.

Inhaltlich ist Dark Ties bewusst kompakter und dichter erzählt. Mit nur drei Kapiteln fällt der Spin-Off wirklich verdammt kurz aus, was auch etwas schade ist. Mit Content, wie Hell’s Arena liefert das Spiel einige der intensivsten Kämpfe des gesamten Pakets, egal ob es sich um klassische Duelle oder Survival-Kloppereien durch die unterirdische Labyrinthe handelt. Besonders gut gelungen ist das System mit Kanda. Anstatt Kanda nur als Karikatur zu nutzen, zwingt das Spiel uns Verantwortung für das Image zu übernehmen. Nebenquests und das Rufsystem verleihen der Beziehung zwischen Mine und Kanda mehr Tiefe, als man ihr zugetraut hätte.
Technik und Präsentation
Optisch ist Yakuza Kiwami 3: Dark Ties kein Hochglanz-Benchmark, was es aber auch nicht sein will. Die Areale in Okinawa und Kamurocho sind dichter, lebendiger und atmosphärischer als je zuvor. Die Animationen wirken deutlich flüssiger, besonders in den Kämpfen, und die Inszenierung profitiert spürbar von den „neuen“ Zwischensequenzen. Die Vielzahl an Minispielen, Karaoke-Songs, Game-Gear-Titeln und Individualisierungsoptionen sorgt dafür, dass dieses Paket nicht nur umfangreich, sondern auch angenehm vielseitig bleibt – typisch Yakuza, aber sehr modernisiert, wie man es eben erwartet.

Fazit
Yakuza Kiwami 3 & Dark Ties ist kein einfaches Remake. Es ist eine Neubewertung eines unterschätzten Kapitels. Kiwami 3 verleiht der Geschichte um Kiryu endlich das spielerische Gewicht, das sie verdient hat, während Dark Ties beweist, dass die Serie den Mut besitzt, ihre Antagonisten ernsthaft zu hinterfragen. Für Fans ist dieses Doppelpack Pflicht. Für Neueinsteiger vielleicht kein perfekter Startpunkt, aber ein beeindruckender Beweis dafür, warum Yakuza mehr ist als nur ein Prügelspiel mit Minigames. Am Ende fühlt sich dieses Paket wie ein bewusstes Statement zum 20. Jubiläum an: Die Vergangenheit wird nicht nur aufgehübscht, sondern konsequent weitergedacht – spielerisch wie erzählerisch. Wer bereit ist, sich auf lange Dialoge, schräge Nebenaktivitäten und emotionale Brüche einzulassen, bekommt hier eine der spannendsten Möglichkeiten, die DNA der Reihe in zwei sehr unterschiedlichen Perspektiven zu erleben.










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