Es gibt Spiele, die man nie vergisst, egal wie viele Jahre ins Land ziehen. Dragon Quest VII war so ein Titel. Es war ein Gigant unter den klassischen JRPGs, dessen Umfang damals fast schon einschüchternd wirkte mit seinem Umfang. Mit Dragon Quest VII: Reimagined wagt Square Enix jetzt den Spagat zwischen Nostalgie und zeitgemäßem Gameplay. Aber reicht das aus, um den Klassiker neu zu beleben, oder bleibt das Remake eine hübsche, aber leere Hülle? Wir haben uns in die Welt der Kristallinseln gestürzt, um genau das herauszufinden.
Wie bereits im Original beginnt die Reise auf der abgeschiedenen Insel Estard, dem letzten bekannten Fleckchen Land in einer Welt, die einst aus vielen Kontinenten bestand. Wir schlüpfen in die Rolle eines namenlosen Fischersohns aus dem kleinen Dorf Buttsbüttel. Er fragt sich, was jenseits des Meeres liegt, bis er gemeinsam mit seinem besten Freund auf rätselhafte Steintafelfragmente stößt. Im Tempelschrein eingesetzt, öffnen die Fragmente den Weg in eine andere Zeit.
Mit jeder vervollständigten Tafel wächst die Welt erzählerisch wie spielmechanisch um neue Regionen, Figuren und Konflikte. Wer das Original kennt, weiß, wohin die Reise führt. Doch an dieser Stelle verzichten wir bewusst auf eine detaillierte Nacherzählung der bekannten Story. Square Enix setzt nicht darauf, die Geschichte neu zu erfinden, sondern sie emotional dichter, atmosphärischer und besser inszeniert zu erzählen. Anstelle einer reinen Nacherzählung überzeugt Dragon Quest VII: Reimagined vor allem durch seine Präsentation, seine Figuren und den langsamen, aber stetigen Aufbau eines epischen Abenteuers, das sich über viele Welten erstreckt.

Ein wunderschönes Diorama aus Nostalgie und Moderne
Square Enix setzt auf einen handgefertigten Diorama-Stil, durch den die Figuren und Umgebungen wie liebevoll gestaltete Miniaturwelten wirken. Die Charakterdesigns von Akira Toriyama wurden behutsam in einen modernen 3D-Look überführt, ohne dabei ihren ikonischen Charme zu verlieren. Städte, Dungeons und Landschaften strotzen nur so vor Details, kleinen Animationen und warmen Farben. Besonders beeindruckend ist, wie lebendig die Welt wirkt: Rauch steigt aus Schornsteinen auf, Licht bricht realistisch durch Fenster und jede Umgebung erzählt ihre eigene kleine Geschichte.
Es fällt sofort auf, wie viel Sorgfalt in den Levelaufbau und die Ausleuchtung geflossen ist. Versteckte Truhen und Vasen lassen sich dank der frei drehbaren Kamera deutlich besser entdecken. Die Räume wirken plastischer und nachvollziehbarer als in früheren Versionen. Dramatische Storymomente werden mit aufwendig inszenierten Szenen im selben Stil präsentiert, was für einen stimmigen Gesamteindruck sorgt. Für uns steht fest: Dragon Quest VII Reimagined ist das optisch bislang schönste Remake der gesamten Reihe.

Klassisches Kampfsystem clever modernisiert
Rundenbasiert. Doch unter der vertrauten Oberfläche hat sich enorm viel getan. Zu den größten Verbesserungen zählen die zahlreichen Quality-of-Life-Features.
- frei einstellbare Kampfgeschwindigkeit
- ein jederzeit aktivier- und deaktivierbarer Automatikmodus
- sichtbare Gegner auf der Weltkarte statt Zufallsbegegnungen
- sofortiges Besiegen schwacher Gegner ohne Kampfbildschirm
Gerade die Möglichkeit, den Automatikmodus mitten im Kampf ein- oder auszuschalten, erweist sich als äußerst praktisch. Normale Gegner lassen sich komfortabel fix und schnell töten, während man bei Bosskämpfen wieder selbst die Kontrolle übernimmt (was auch dringend nötig ist), denn ja, Dragon Quest VII: Reimagined kann manchmal fordernd sein.
Neu ist zudem eine visuelle Hilfe, die anzeigt, welche Attacken besonders effektiv gegen bestimmte Gegner sind. Dadurch wird die Einstiegshürde für Neulinge gesenkt, ohne dass die taktische Tiefe für Veteranen verwässert wird.

Mein Job, meine Regeln
Ein zentrales Element bleibt das Berufungssystem, das im Remake deutlich ausgebaut wurde. Die Heldengruppe kann eine Vielzahl von Jobs erlernen, die jeweils eigene Zauber, Fähigkeiten und Statuswerte mitbringen. Sobald ein bestimmter Punkt in der Geschichte erreicht ist, lassen sich Berufungen frei wechsel, wobei zwei davon gleichzeitig aktiv sein können. Quasi ein Haupt- und Nebenberuf. Nebenjobs ermöglichen es, eine bereits gemeisterte Berufung zu behalten, während man parallel eine neue lernt, wodurch mächtige Fähigkeiten bestehen bleiben.
Jeder Job verfügt über einen einzigartigen Spezialeffekt, der ausgelöst werden kann, wenn ein Charakter ausreichend „aufgebracht“ ist. In der Praxis fungieren diese Boni wie mächtige Limit-Break-artige Skills, die etwa den Schaden erhöhen, die Gruppe unterstützen oder mit einem Schlag das Blatt wenden können. Im Test zeigte sich besonders im späteren Abschnitt, wie wichtig es ist, diese Mechanik zu verstehen, da die Kämpfe dort spürbar an Anspruch zulegen und die Vielzahl an verfügbaren Angriffen und Buffs klug kombiniert werden will.

Erkundung, die Spaß macht!
Auch abseits der Kämpfe weiß das Remake zu überzeugen. Die Dungeons wurden umfassend überarbeitet und mit gelegentlichen Rätseln versehen. Dadurch ist nicht nur die Ausrüstung, sondern auch der Kopf gefragt. Dank der frei drehbaren Kamera lassen sich Geheimnisse leichter entdecken, ohne dass der Entdeckerdrang verloren geht. Im Gegenteil: Die liebevoll gestalteten Diorama-Umgebungen motivieren konstant dazu, jeden Winkel zu erkunden.
Abseits der Hauptpfade locken zusätzliche Inhalte wie eine Kampfarena mit legendären Gegnern oder klassische Minispiele wie das Glückstreffer-Spiel, die immer wieder für willkommene Abwechslung sorgen. Insgesamt entsteht so eine Spielschleife aus Story-Episoden, Dungeon-Erkundung, Berufungsoptimierung und optionalen Herausforderungen, die besonders Fans traditioneller JRPG-Strukturen gefallen dürfte.

Fazit
Dragon Quest VII: Reimagined ist ein Paradebeispiel dafür, wie ein Remake aussehen sollte. Die gelungene Kombination aus moderner Technik, liebevoller Diorama-Optik und einem behutsam erweiterten Kampfsystem zeugt von dem Respekt, den Square Enix dem Original entgegenbringt, und gleichzeitig von dem Mut, es sinnvoll weiterzuentwickeln. Die Kämpfe sind zugänglicher, aber nicht leichter. Die Welt ist vertraut, wirkt aber frischer und lebendiger als je zuvor. Und die Vielzahl an Komfortfunktionen sorgt dafür, dass sowohl Serienveteranen als auch Neueinsteiger voll auf ihre Kosten kommen. Es ist eines der besten Remakes der Dragon-Quest-Reihe und setzt möglicherweise einen neuen Maßstab für klassische JRPG-Neuinterpretationen. Dragon Quest VII: Reimagined fühlt sich schon jetzt wie ein zukünftiger Klassiker an.











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