Valor Mortis: im Test (PS5)

Mit Valor Mortis wagt sich das Ghostrunner-Studio One More Level an ein ungewöhnliches Experiment. Statt in der Third-Person-Perspektive kämpfen wir aus der Ego-Sicht gegen groteske Kreaturen, setzen auf präzise Paraden und erkunden ein alternatives Europa zur Zeit Napoleons. Doch reicht die frische Idee aus, um sich gegen die starke Soulslike-Konkurrenz durchzusetzen?

Napoleon, Krieg und eine mysteriöse Seuche: Schon das Szenario von Valor Mortis hebt sich von vielen Genrevertretern ab. Wir schlüpfen in die Rolle des Soldaten William, der während der napoleonischen Kriege ums Leben kommt und anschließend auf einem Schlachtfeld wieder erwacht. Doch von einer Rückkehr in ein normales Leben kann keine Rede sein. Seine einstigen Kameraden sind zu grotesken Monstern geworden, während eine unheimliche Macht das Land zunehmend ins Verderben stürzt. Während William nach Antworten sucht, entdeckt er übernatürliche Fähigkeiten und muss sich einer Welt stellen, in der die Grenzen zwischen Leben und Tod längst verschwunden sind. Auch Napoleon spielt eine besondere Rolle in der Geschichte und begleitet den Protagonisten auf ungewöhnliche Weise.

Die alternative Geschichtsschreibung bildet dabei eine erfrischende Grundlage. Statt auf das übliche Mittelalter-Fantasy-Setting zu setzen, verbindet Valor Mortis historische Kriegsschauplätze mit übernatürlichem Horror. Verlassene Dörfer, zerstörte Befestigungen und verwüstete Schlachtfelder erzeugen eine bedrückende Atmosphäre, die dem Abenteuer eine eigene Identität verleiht. Die Handlung setzt auf Geheimnisse und die Frage, was hinter der Seuche und Williams Wiederauferstehung steckt. Allerdings bleibt die erzählerische Umsetzung hinter den Möglichkeiten des interessanten Szenarios zurück. Auch die bisherigen Kritiken kommen bei der Geschichte zu unterschiedlichen Einschätzungen. Während einige die Erzählung und ihre Figuren loben, hätten andere mehr aus der Verbindung von historischem Hintergrund und Fantasy-Horror erwartet.

Anspruchsvolle Kämpfe aus der Ego-Perspektive

Die größte Besonderheit von Valor Mortis ist das Kampfsystem. One More Level, bekannt durch die Ghostrunner-Reihe, überträgt seine Erfahrung mit schnellen Actionspielen auf ein Soulslike, das konsequent aus der Ego-Perspektive gespielt wird. Anstelle hektischer Angriffe steht das richtige Timing im Mittelpunkt. Wir müssen gegnerische Attacken beobachten, Angriffe parieren und im passenden Moment zum Gegenangriff übergehen. Wer einfach blind auf seine Feinde einschlägt, wird schnell bestraft. Gerade in Begegnungen mit stärkeren Gegnern sind Geduld und ein gutes Gespür für deren Angriffsmuster gefragt.

Dabei stehen uns unterschiedliche Waffen zur Verfügung. Der Säbel eignet sich als vielseitige Allzweckwaffe, während der Degen einen offensiveren Ansatz verfolgt und gezielte Treffer ermöglicht. Ergänzt wird das Arsenal durch Schusswaffen und übernatürliche Fähigkeiten, mit denen wir beispielsweise Feuer einsetzen oder Gegner zeitweise verlangsamen können. Diese Mischung verleiht den Gefechten zusätzliche Möglichkeiten. Statt ausschließlich auf Nahkampf zu setzen, können wir unsere Fähigkeiten gezielt miteinander kombinieren und dadurch neue taktische Ansätze entwickeln.

Besonders die Paraden und anschließenden Konter gehören zu den Stärken des Spiels. Die Ego-Perspektive sorgt dafür, dass sich die Auseinandersetzungen unmittelbarer anfühlen als in vielen klassischen Soulslikes. Gleichzeitig verlangt sie uns eine gewisse Eingewöhnung ab, da Entfernungen, gegnerische Animationen und Angriffswinkel anders wahrgenommen werden. Allerdings ist die Umsetzung nicht durchgehend gelungen. Mehrere veröffentlichte Tests kritisieren eine unausgewogene Schwierigkeit. Manche Gegner und Bosskämpfe verlangen extrem präzise Reaktionen, während einzelne Begegnungen weniger überzeugend gestaltet sind. Wo ein Soulslike idealerweise durch nachvollziehbare Angriffsmuster und das Erlernen eigener Fehler motiviert, kann Valor Mortis stellenweise schlicht frustrierend werden.

Erkundung mit Metroidvania-Einschlag

Neben den Kämpfen spielt die Erkundung eine wichtige Rolle. Die Spielwelt ist nicht einfach eine Aneinanderreihung von Arenen, sondern bietet zusätzliche Wege, versteckte Bereiche und kleinere Umgebungsrätsel. Mit neuen Fähigkeiten eröffnen sich Möglichkeiten, zuvor unzugängliche Bereiche zu erreichen. Damit greift Valor Mortis Elemente des Metroidvania-Genres auf und verbindet sie mit dem bekannten Soulslike-Prinzip, nach dem wir aus Fehlern lernen und unsere Ausrüstung sowie Fähigkeiten weiterentwickeln.

Auch die Parkour-Elemente passen grundsätzlich zum Hintergrund des Entwicklerstudios. Sie lockern die Erkundung auf und sorgen für zusätzliche Bewegung innerhalb der Spielwelt. Die Erkundung ist somit eine sinnvolle Ergänzung zum Kampfsystem, erreicht aber nicht in jedem Abschnitt die gleiche Qualität. Wer sich umfangreiche Nebenwege, zahlreiche Geheimnisse und besonders komplexe Charakter-Builds erhofft, sollte seine Erwartungen entsprechend anpassen.

Atmosphäre statt gewöhnlicher Fantasy

Visuell setzt Valor Mortis auf eine düstere Mischung aus historischen Schauplätzen und übernatürlichen Verformungen. Die vertraute Architektur des napoleonischen Europas wird durch groteske Kreaturen, unheimliche Wucherungen und eine bedrohliche Umgebung verfremdet. Gerade dieser Kontrast funktioniert gut. Die Welt wirkt nicht wie ein gewöhnliches Fantasy-Königreich, sondern wie ein Land, dessen Realität durch eine unbekannte Macht aus den Fugen geraten ist. Die düsteren Schlachtfelder und verlassenen Siedlungen unterstützen diesen Eindruck und passen hervorragend zum kompromisslosen Kampfsystem.

Die Ego-Perspektive trägt zusätzlich zur Atmosphäre bei. Gegner stehen direkt vor uns, Angriffe kommen unmittelbar auf uns zu und die Kämpfe wirken dadurch besonders intensiv. Zusammen mit dem Sounddesign entsteht eine beklemmende Stimmung, die das Spiel von vielen anderen Vertretern des Genres abhebt. Technisch fällt das Gesamtbild allerdings weniger eindeutig aus. In veröffentlichten Rezensionen werden unter anderem Glitches, Probleme mit Parkour-Manövern und weitere technische Unsauberkeiten genannt. Wie stark diese Probleme auf den einzelnen Plattformen ins Gewicht fallen, lässt sich daraus nicht pauschal ableiten.

Fazit

Valor Mortis besitzt eine der interessanteren Ausgangsideen im Soulslike-Genre. Die Kombination aus Ego-Perspektive, anspruchsvollem Nahkampf und einer düsteren Neuinterpretation des napoleonischen Europas sorgt für einen eigenständigen Charakter. Vor allem die präzisen Paraden, die unterschiedlichen Waffen und die übernatürlichen Fähigkeiten zeigen, dass sich die Entwickler nicht allein auf bekannte Genreformeln verlassen.

Auch die Verbindung aus Erkundung und Metroidvania-Elementen bietet eine sinnvolle Ergänzung zum Kampfsystem. Die bedrückende Atmosphäre sorgt dafür, dass sich die Spielwelt von klassischen Fantasy-Abenteuern abhebt.

Gleichzeitig verhindern die unausgewogene Schwierigkeit, nicht immer überzeugende Bosskämpfe und technische Probleme, dass Valor Mortis sein volles Potenzial ausschöpft. Auch die Geschichte kann ihre spannende Ausgangslage offenbar nicht in allen Bereichen in eine gleichermaßen überzeugende Erzählung verwandeln.

Unterm Strich ist Valor Mortis vor allem für Fans anspruchsvoller Actionspiele interessant, die Lust auf eine neue Perspektive innerhalb des Soulslike-Genres haben. Wer eine rundum ausgereifte Spielerfahrung erwartet oder mit Frustmomenten wenig anfangen kann, sollte dagegen vorsichtig sein.

Valor Mortis ist ein mutiges und atmosphärisch starkes Soulslike, das mit seiner ungewöhnlichen Perspektive überzeugt, sich bei Balance und technischer Umsetzung aber Schwächen leistet.

Val,or Mortis
Fazit
Valor Mortis besitzt eine der interessanteren Ausgangsideen im Soulslike-Genre. Die Kombination aus Ego-Perspektive, anspruchsvollem Nahkampf und einer düsteren Neuinterpretation des napoleonischen Europas sorgt für einen eigenständigen Charakter. Vor allem die präzisen Paraden, die unterschiedlichen Waffen und die übernatürlichen Fähigkeiten zeigen, dass sich die Entwickler nicht allein auf bekannte Genreformeln verlassen.
Positiv
Eigenständige Ego-Perspektive im Soulslike-Genre
Präzises Parieren und befriedigende Konter
Düstere Atmosphäre und interessante Erkundung
Negativ
Teilweise unausgewogene Schwierigkeit
Story schöpft ihr Potenzial nicht durchgehend aus
Begrenzte Möglichkeiten für individuelle Charakter-Builds
8
Gut
Hey, ich bin Pascal - 27 Jahre alt und Gründer von Hinsusta. Ich bin für alle Bereiche auf der Webseite zuständig. Mein Schwerpunkt liegt allerdings auf Reviews und News rund um das Thema Current-Gen.