Sechs Jahre nach Nioh 2 kehrt Team NINJA mit einem Titel zurück, der die eigene Erfolgsserie grundlegend weiterentwickeln will. Nioh 3 setzt auf mehr Freiheit, deutlich mehr Systemtiefe und einen spürbar größeren Umfang, ohne dabei die gnadenlose DNA der Reihe zu ändern. Anstatt sich auf Evolution zu verlassen, wagt der Entwickler mutige Neuerungen, die das bekannte Kampfsystem erweitern und das Gameplay auf ein neues Level heben. Doch genau hier stellt sich die entscheidende Frage: Ist Nioh 3 die perfekte Weiterentwicklung der Serie oder verliert sich das Action-RPG in seiner eigenen Komplexität? Wir konnten vorab tief in das kompromisslose Soulslike eintauchen und verraten euch in unserem ausführlichen Test, warum Nioh 3 nicht nur größer, sondern auch besser ist als seine Vorgänger und sich bereits jetzt als stärkster Serienteil behauptet.
Die Geschichte von Nioh 3 beginnt im Jahr 1622 (Genna 8). Tokugawa Takechiyo steht kurz davor, als neuer Shogun in die Geschichte einzugehen. Dies ist ein Moment, der den Beginn einer friedlichen Ära markieren sollte. Doch sein jüngerer Bruder Kunimatsu zerbricht unter dem Einfluss von Neid, Machtlosigkeit und wachsendem Hass. Verführt von einer finsteren, übernatürlichen Kraft stürzt er Japan ins Chaos und entfesselt eine Bedrohung, die weit über politische Intrigen hinausgeht.

Was folgt, ist ein eskalierender Konflikt zwischen Menschen, Yokai und der Zeit selbst. Kunimatsus Machthunger reißt Wunden durch die Geschichte, öffnet Tore zu höllischen Sphären und verwandelt ganze Landstriche in ein albtraumhaftes Schlachtfeld. Dies ist der Auftakt zu einem neuen, gnadenlosen Höllentrip, der droht, ganz Japan zu verschlingen.
Genau hier legt Nioh 3 erzählerisch spürbar zu: Anstatt sich auf eine einzelne Epoche zu beschränken, schickt das Spiel euch auf eine rastlose Reise durch mehrere historische Zeiträume, darunter die Warring States, die Heian-Zeit, die Antike und die Bakumatsu-Periode. Diese Zeitreisen sind dabei kein bloßes Stilmittel, sondern fest in die Handlung integriert und eng mit der übergeordneten Lore verknüpft. Fans von Nioh und Nioh 2 werden zahlreiche inhaltliche Verbindungen, thematische Parallelen und erzählerische Rückgriffe entdecken, während Neueinsteiger dennoch problemlos in die düstere Welt eintauchen können.

Samurai trifft Ninja
Nioh 3 bleibt spielerisch der kompromisslosen Linie der Reihe treu und erweitert das bekannte Kampfsystem um einen zentralen neuen Aspekt. Die Dualität aus Samurai- und Ninja-Stil. Der Samurai-Stil fühlt sich vertraut an: Er setzt weiterhin auf Waffenhaltungen, präzises Ki-Management, Ki-Pulse und wuchtige Martial Arts. Hier stehen wie gewohnt Timing, Positionierung und saubere Konter im Fokus.

Der neue Ninja-Stil hingegen bringt eine völlig andere Dynamik ins Spiel. Er ist schneller, aggressiver und deutlich mobiler. Er setzt auf Ausweichmanöver, Luftakrobatik, Backstabs und den gezielten Einsatz von Ninjutsu. Beide Stile lassen sich jederzeit per „Style Shift” nahtlos wechseln. Das eröffnet nicht nur neue Kombomöglichkeiten, sondern ist auch essenziell für das Überleben. Bestimmte Gegnerangriffe lassen sich nur durch einen gezielten Stilwechsel kontern, für Burst Attacks ist perfektes Timing erforderlich. Diese belohnen das erfolgreiche Kontern jedoch mit massiven Vorteilen und ermöglichen es, enormen Schaden auszuteilen!

Das Kampfsystem von Nioh 3 ist tiefgründig, komplex und gnadenlos. Gleichzeitig ist es aber auch zugänglicher dank der neuen Stile! Neben den bekannten Mechaniken spielen die ikonischen Schutzgeister, Arts- und Ninjutsu-Fertigkeiten sowie die Seelenkerne eine noch größere Rolle. Wer seine Ressourcen versteht und beherrscht, erlebt eines der besten und vielseitigsten Action-Kampfsysteme der letzten Jahre. Gleichzeitig bleibt Nioh 3 stellenweise aber auch fordernd. Fehler werden selten verziehen, Unachtsamkeit führt schnell zum Tod und das Spiel verlangt volle Konzentration, die wiederum mit Lernbereitschaft belohnt wird. Wer stirbt, verliert Soulslike-typisch seine ganzen Amarita und muss diese wieder nach dem Tod einsammeln.

Eine Offene Welt, die zum Erkunden einlädt!
Mit Nioh 3 setzt die Reihe erstmals auf offene Areale statt strikt linearer Missionen. Diese Open-Field-Strukturen bieten deutlich mehr Freiheit bei der Erkundung, ohne bedeutungslos zu wirken. Das Erkunden macht dabei enorm viel Spaß! Feindbasen, optionale Mythen (Nebenquests), Meister-Duelle, Schreine und versteckte Pfade sorgen dafür, dass sich das Erkunden jederzeit lohnt. Mit steigenden Exploration Levels schaltet ihr zusätzliche passive Boni, Karteninformationen für neue Sammelobjekte und viele weitere neue Möglichkeiten frei. Trotz der größeren Areale bleibt das Leveldesign typisch für Nioh: Es ist verschachtelt, vertikal und jederzeit gefährlich.

Ein besonderes Highlight und zugleich der brutalste Bestandteil des Spiels sind die neuen Fegefeuer. Diese höllischen Zonen stellen selbst erfahrene Spieler vor extreme Herausforderungen. Hier gelten eigene Regeln. Die Lebensenergie kann dauerhaft reduziert werden, Gegner teilen massiven Schaden aus und spezielle Höllenfeuer-Waffen bieten enorme Macht, allerdings zu einem hohen Preis. Die großen Fegefeuer sind zwar nicht optional, machen aber enormen Spaß, wenn man sich selbst auf die Probe stellt. Die höllischen Zonen sind dabei besonders lohnend, was den gesamten Loot angeht, und auch vom Design her ein Augenschmaus!

Ich bin mächtiger, als je zuvor
Auch beim Loot- und Build-System bleibt die Reihe sich treu und treibt dabei die Komplexität weiter auf die Spitze. Waffen, Rüstungssets, Fähigkeiten, Seelenkerne, Onmyo-Magie, Ninjutsu und Prestigepunkte eröffnen eine enorme Vielfalt an Spielstilen, sodass jeder seinen bevorzugten Stil finden dürfte. Besonders positiv ist, dass die Verteilung der Level und Prestige-Punkte jederzeit möglich ist, sodass man sich nicht mehr verskillt.
Dadurch wird Nioh 3 das wohl zugänglichste Soulslike, in dem jeder seinen eigenen Spielstil finden kann, ohne Angst haben zu müssen, sich zu verskillern. Gleichzeitig kann genau diese Tiefe Neulinge erschlagen. Die Menüs sind umfangreich, die Systeme greifen ineinander und verlangen etwas Einarbeitung. Nioh 3 ist für Neulinge kein Spiel für den schnellen Feierabend, sondern ein Titel, der zu Beginn etwas Zeit und Hingabe fordert. Immerhin bietet der Titel komplett nahtlosen Koop, wodurch man sich auch mit Freunden in die große Welt stürzen kann!

PS5 Pro optimiert
Technisch gesehen ist Nioh 3 auf der PS5 Pro erstklassig: Es bietet stabile 60 FPS (im Leistungsmodus), kurze Ladezeiten und ein stimmiges Artdesign, das die düstere Atmosphäre der verschiedenen Epochen einfängt. Grafisch mag es kein Showcase-Titel sein, doch die spektakulären Kampfanimationen behalten jederzeit ihre Dynamik. Licht- und Schatteneffekte setzen Akzente und selbst in hektischen Gefechten bleiben viele liebevolle Details erhalten. Abgerundet wird das Erlebnis durch eine intensive Soundkulisse, die jede Auseinandersetzung noch packender macht. Insgesamt ist es ein technisch rundes Paket, das sich sehen lassen kann.

Fazit
Nioh 3 ist nicht einfach eine Fortsetzung, sondern die konsequente Weiterentwicklung einer ohnehin schon herausragenden Reihe. Es ist das beste Action-RPG des Jahres und ein echtes Meisterwerk seines Genres! Team NINJA kombiniert darin die gnadenlose Kampftiefe der Vorgänger mit neuen, innovativen Systemen wie dem Dual-Stil-Gameplay und offenen Arealen, die zum Erkunden einladen. Die Mischung aus Samurai- und Ninja-Stil erweitert das Kampfsystem enorm und belohnt Geschick, Timing und strategisches Denken. Gleichzeitig bietet das umfangreiche Loot- und Build-System enorme Freiheit, ohne unnötige Strafen, und macht Nioh 3 damit zugänglicher denn je für Einsteiger.
Die Geschichte ist episch, die Welt ist atmosphärisch und die Fegefeuer-Herausforderungen setzen selbst erfahrene Spieler unter Druck – all das macht ein echtes Soulslike aus. Nioh 3 ist das bisher stärkste Kapitel der Serie! Sei es in der packenden Geschichte, der dichten Atmosphäre oder den nervenaufreibenden Kämpfen. Nioh 3 zeigt eindrucksvoll, warum Team NINJA zu den Besten des Genres gehört. Für mich ist Nioh 3 definitiv ein Kandidat für das Game of the Year.
Wer noch unentschlossen ist, kann die kostenlose Demo ausprobieren. Dabei können sogar die Speicherdaten ins Hauptspiel übertragen werden!











Hinterlasse einen Kommentar