Moonlighter 2: The Endless Vault – im Test (PS5)

Moonlighter 2: The Endless Vault wagt nach acht Jahren einen deutlichen Schritt nach vorne. Digital Sun verabschiedet sich vom Pixel-Art-Look des Originals und setzt auf eine stilisierte 3D-Optik, erweitert den Roguelite-Anteil und baut den bekannten Mix aus Dungeon-Crawling, Inventar-Management und Shop-Simulation weiter aus. Das Ergebnis ist ein unterhaltsames und erstaunlich motivierendes Sequel, das seine ganz eigene Nische weiterhin erfolgreich besetzt, aber nicht jede Neuerung funktioniert gleichermaßen gut.

In Moonlighter 2 schlüpfen wir in die Rolle von Will, einhem stummen Ladenbesitzer und Abenteurer. Nach den Ereignissen des ersten Teils verschlägt es ihn und die Bewohner von Rynoka in die interdimensionale Stadt Tresna. Dort beginnt das bekannte Spiel von vorne: Tagsüber betreiben wir unseren Laden, verkaufen gefundene Relikte und investieren unsere Einnahmen in bessere Ausrüstung, den Laden und die Stadt. Nachts geht es in gefährliche Dimensionen, um neue Schätze zu finden.

Die Geschichte setzt dabei einige Monate nach dem ersten Teil an. Der Antagonist Moloch sorgt für Chaos zwischen den Dimensionen, während das mysteriöse Endless Vault Will immer wieder vor neue Herausforderungen stellt. Die Story ist zwar stärker ausgearbeitet als im Vorgänger, bleibt aber klar im Hintergrund. Charaktere und Nebenquests sorgen für etwas mehr Persönlichkeit, während der eigentliche Reiz weiterhin aus dem Gameplay-Loop entsteht. Wer eine tiefgreifende Geschichte auf dem Niveau eines Hades erwartet, wird vermutlich enttäuscht sein. Für die Motivation zwischen den einzelnen Runs funktioniert die Erzählung allerdings ordentlich.

Dungeons: Mehr Roguelite, mehr Entscheidungen

Die Dungeons sind nicht mehr einfach nur lineare Räume voller Gegner. Jeder Run führt durch eine zufällig zusammengestellte Abfolge von Begegnungen, Kämpfen, Upgrades, NPCs und Bossen. Dadurch muss ständig entschieden werden, welches Risiko sich lohnt. Neben dem Besen stehen uns vier unterschiedliche Waffen stehen zur Verfügung: Speer, Fäuste, Kurzschwert und Großschwert. Jede Waffe besitzt ihren eigenen Spielstil und kann über verschiedene Upgrade-Pfade weiterentwickelt werden.

Das Kampfsystem wurde gegenüber dem Vorgänger spürbar erweitert. Gegner lassen sich durch Kombinationen ins Taumeln bringen, aus der Arena schleudern oder mit der Fernkampfwaffe unter Druck setzen. Dazu kommen Ausweichrollen, Spezialangriffe, Elementareffekte und verschiedene Perks, die während eines Runs einen individuellen Build ermöglichen. Gerade diese Kombination sorgt dafür, dass sich die Runs weniger nach stumpfem Grinding anfühlen. Ein Durchlauf kann sich komplett anders entwickeln als der vorherige. Trotzdem bleibt der Combat eher funktional als revolutionär. Wer komplexe Action-Roguelites wie Hades gewohnt ist, wird hier weniger Tiefe finden. Besonders einige Bosskämpfe können sich vergleichsweise zäh anfühlen.

Das Inventar wird zum eigenen Minispiel

Eine der besten Ideen von Moonlighter 2 steckt erneut im Rucksack. Jedes Relikt nimmt unterschiedlich viel Platz ein und besitzt bestimmte Eigenschaften. Die Positionierung der Gegenstände kann ihren Wert beeinflussen. Gleichzeitig gibt es Relikte und Effekte, die benachbarte Gegenstände verändern, kopieren, zerstören oder schützen. Damit wird aus dem simplen Loot-Sammeln ein kleines Puzzle: Was nehme ich mit? Was lasse ich liegen? Und wie bekomme ich meine wertvollste Beute sicher nach Hause?

Genau hier entsteht einer der spannendsten Risiko-und-Belohnungs-Momente des Spiels. Je länger man im Dungeon bleibt, desto wertvoller kann die Beute werden, gleichzeitig steigt aber das Risiko, alles zu verlieren. Dieses System gehört zu den Punkten, an denen Moonlighter 2 seinen Vorgänger tatsächlich sinnvoll weiterentwickelt.

Shop-Simulation: Noch immer charmant, aber nicht tief genug

Der eigentliche Verkauf der Beute funktioniert weiterhin nach dem bekannten Prinzip. Relikte werden im Laden platziert, Kunden reagieren auf den Preis und wir versuchen herauszufinden, wie viel sie bereit sind zu bezahlen. Das klingt zunächst simpel – und ist es auch. Gleichzeitig besitzt dieser Teil einen gewissen Charme. Es macht Spaß, seltene Relikte aus einem besonders erfolgreichen Run anschließend im Laden auszustellen und die eigene Ausbeute in Geld umzuwandeln.

Auch die Stadtentwicklung ist stärker mit dem Fortschritt verbunden. Einnahmen fließen in neue Ausrüstung, Upgrades, kosmetische Elemente und Verbesserungen für Tresna. Das Problem: Die Shop-Simulation nutzt ihr eigentlich hervorragendes Grundkonzept nicht immer vollständig aus. Nach einer gewissen Spielzeit wird das System vorhersehbarer. Wer die Preise seiner wichtigsten Relikte kennt, muss weniger experimentieren. Die eigentliche Verkaufssimulation tritt dadurch zunehmend hinter dem Dungeon-Gameplay zurück.

Genau hier hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht: komplexere Kundenwünsche, mehr unterschiedliche Kundentypen oder Situationen, die uns tatsächlich vor wirtschaftliche Entscheidungen stellen. Der Shop ist deshalb keineswegs schlecht – er fühlt sich nur gelegentlich wie eine gute Idee an, aus der noch mehr hätte werden können.

3D statt Pixel Art: Fluch oder Segen?

Die wohl auffälligste Veränderung betrifft die Präsentation. Das ursprüngliche Moonlighter setzte auf charmante Pixel Art. Teil zwei verabschiedet sich davon und präsentiert Tresna und die verschiedenen Dimensionen in einem stilisierten isometrischen 3D-Look. Grundsätzlich funktioniert das erstaunlich gut. Die Charaktermodelle wirken lebendiger, die verschiedenen Biome besitzen ihren eigenen visuellen Charakter und Tresna fühlt sich durch NPCs, Tiere und verschiedene Aktivitäten deutlich lebendiger an.Auch die Musik trägt viel zur Atmosphäre bei und verbindet die gemütliche Stadt mit den gefährlicheren Dimensionen.

Allerdings ist die Umstellung nicht ausschließlich positiv. Gerade in hektischen Kämpfen kann die 3D-Perspektive teilweise weniger übersichtlich wirken als die klare Pixel-Art des Vorgängers. Für uhns ist die Optik ein klarer Rückschritt in Sachen visueller Identität.

Technik: Solide, aber nicht ganz makellos

Technisch macht Moonlighter 2 einen insgesamt guten Eindruck, allerdings gibt es kleinere Auffälligkeiten. Auf der PlayStation 5 läuft das Spiel grundsätzlich ordentlich, allerdings gibt es trotz der schnellen SSD ein großes Problem. Die Ladezeiten. Diese sinmd nämlich enorm lang und kann stellenweise sogar echt nerven. Darüber hinaus wurden in kleinere technische Probleme und Bugs beobachtet. Diese sind zwar nicht dauerhaft spielzerstörend, verhindern aber stellenweise den Eindruck einer vollkommen runden Veröffentlichung. Daszu gehören, dass das Spiel bei einem Gebietswechsel manchmal einfirert und wir komplett neu starten müssen. Dadurch verlieren wir in den Dungeons unseren Progrerss und müssen erneut von Anfang an durch.

Fazit

Moonlighter 2: The Endless Vault ist keine Revolution, aber eine sehr solide Weiterentwicklung eines ungewöhnlichen Konzepts. Digital Sun hat verstanden, was das Original besonders gemacht hat, und erweitert diesen Kern um ein wesentlich umfangreicheres Roguelite-System, abwechslungsreichere Builds, neue Inventarmechaniken und eine deutlich modernere Präsentation.

Besonders die Kombination aus Dungeon-Crawling und Rucksack-Management funktioniert hervorragend. Jeder Fund fühlt sich wertvoll an, jede Entscheidung im Dungeon kann den Ausgang eines Runs beeinflussen und der Moment, in dem man mit einem vollgepackten Rucksack zurück nach Tresna kommt, besitzt weiterhin seinen ganz eigenen Reiz.

Schwächer präsentiert sich dagegen die eigentliche Shop-Simulation. Sie bleibt charmant, verliert aber nach einiger Zeit an Tiefe. Auch der neue 3D-Look ist Geschmackssache und erreicht nicht ganz die ikonische visuelle Identität des Originals.

Trotz dieser Schwächen ist Moonlighter 2 ein gelungenes Sequel und vor allem ein Spiel, das seinen Gameplay-Loop erstaunlich gut beherrscht.

Wer den ersten Teil mochte, kann bedenkenlos zugreifen. Und auch Roguelite-Fans, die bisher keinen Kontakt mit Moonlighter hatten, bekommen hier eine interessante Mischung aus Action, Loot-Management und Wirtschaftssimulation.

Moonlighter 2: The Endless Vault ist kein Meilenstein – aber ein verdammt unterhaltsamer Zeitfresser.

Moonlighter 2: The Endless Vault
Fazit
Moonlighter 2: The Endless Vault ist keine Revolution, aber eine sehr solide Weiterentwicklung eines ungewöhnlichen Konzepts. Digital Sun hat verstanden, was das Original besonders gemacht hat, und erweitert diesen Kern um ein wesentlich umfangreicheres Roguelite-System, abwechslungsreichere Builds, neue Inventarmechaniken und eine deutlich modernere Präsentation.
Positiv
Deutlich besseres Roguelite-System
Unterschiedliche Waffen und Builds
Kreatives Inventar-Management
Negativ
3D-Look nicht ganz so ikonisch wie Pixel Art
Kleinere technische Probleme
Manche Bosskämpfe ziehen sich
7
Gut
Ich bin bei Hinsusta für News und Reviews zuständig. Mein All-Time Favorit ist der Landwirtschaftssimulator.