Mit Mortal Shell II erscheint der direkte Nachfolger des ersten Teils aus dem Jahr 2020. Das ursprüngliche Spiel war ein ambitioniertes und atmosphärisch starkes Soulslike, das mit seiner ungewöhnlichen Shell-Mechanik zwar eine eigene Idee mitbrachte, spielerisch jedoch nie ganz das Niveau seiner großen Vorbilder erreichte. Sechs Jahre später kehrt Entwickler Cold Symmetry zurück und wagt etwas, das viele Studios bei einem Nachfolger vermeiden: Statt das ursprüngliche Konzept lediglich zu vergrößern, wurden nahezu alle spielerischen Säulen grundlegend weiterentwickelt. Das Ergebnis ist ein deutlich umfangreicheres, vielseitigeres und in vielen Bereichen zugänglicheres Action-RPG, das die Stärken des Vorgängers ausbaut und seine Schwächen gezielt ausmerzt. Warum Mortal Shell II nicht nur ein gelungener Nachfolger, sondern das beste Soulslike des Jahres ist, erfahrt ihr in unserem Test.
Mortal Shell II verabschiedet sich von der vergleichsweise linearen Struktur des ersten Teils und setzt stattdessen auf eine miteinander verbundene, kompakte Open World. Das klingt zunächst nach dem typischen „größer, höher, besser“ Versprechen moderner Action-RPG’s, doch genau das ist es nicht. Cold Symmetry verfolgt einen deutlich fokussierteren Ansatz, welches die Welt zum erkunden einlädt. Mit über 60 Dungeons gibt es auch viel zu entdecken, ohne dabei an Abwechslung zu mangeln. Gerade diese Struktur gehört zu den interessantesten Weiterentwicklungen des Spiels, denn Erkundung fühlt sich dadurch nicht wie eine lästige Pflichtaufgabe an. Wer vom Hauptweg abweicht, kann neue Shells, Waffen, Verbesserungen, Collectibles oder NPC Quests entdecken. Selbst scheinbar unscheinbare Orte können sich als lohnende Abstecher erweisen.

Das erinnert natürlich unweigerlich an Elden Ring. Der entscheidende Unterschied liegt jedoch in der Größe und der Zielsetzung. Mortal Shell II möchte keine gigantische Open World sein, die den Spieler mit hunderten Markierungen und Aktivitäten überhäuft. Cold Symmetry setzt bewusst auf eine kompakte Struktur. Dadurch entsteht ein angenehmer Spielfluss: Der nächste größere Schauplatz ist meist nicht weit entfernt, gleichzeitig gibt es immer wieder Gründe, den direkten Weg zu verlassen. Die Welt wirkt dadurch weniger wie eine riesige Checkliste und mehr wie ein zusammenhängender Ort, dessen Geheimnisse sich nach und nach erschließen. Genau diese Konzentration ist eine der größten Stärken von Mortal Shell II.

Schneller, brutaler und deutlich aggressiver
Das Kampfsystem ist wahrscheinlich die größte Veränderung gegenüber dem Vorgänger, denn Mortal Shell war langsam. Sehr langsam. Das ursprüngliche Spiel verlangte Geduld und ein vorsichtiges Vorgehen. Die Verhärtung war dabei das zentrale Werkzeug und bestimmte den Rhythmus vieler Kämpfe. Mortal Shell II schlägt dagegen einen wesentlich aggressiveren Weg ein. Die klassische Ausdauerbegrenzung wurde entfernt. Dadurch verändert sich das gesamte Spielgefühl. Angriffe, Ausweichmanöver, Konter und das Movement fühlen sich deutlich freier an. Statt ständig darauf zu achten, ob noch genügend Ausdauer für den nächsten Angriff vorhanden ist, konzentriert man sich stärker auf Gegnerbewegungen, Positionierung und das richtige Timing.

Das Ergebnis ist ein Kampfsystem, das wesentlich dynamischer wirkt. Dabei bleibt Mortal Shell II trotzdem schwer. Das Spiel möchte uns nicht einfach Macht schenken. Gegner können weiterhin enormen Schaden verursachen und größere Begegnungen verlangen eine gute Beherrschung der eigenen Fähigkeiten. Besonders spektakulär sind die neuen Konter Moves. Wer einen Gegner erfolgreich die Haltung bricht, kann ihn mit brutalen Finishern erledigen. Köpfe werden zertrümmert, Körper durchbohrt und Gegner auf ausgesprochen drastische Weise aus dem Weg geräumt. Die Gewalt ist dabei nicht nur Dekoration. Sie unterstützt das Gefühl, dass man tatsächlich durch eine groteske Dark-Fantasy-Welt kämpft. Mortal Shell II ist kein elegantes Abenteuer. Es ist blutig und brutal und genau das passt hervorragend zu seiner Welt.

Die Shells sind mehr als unterschiedliche Rüstungen
Das ikonische Konzept des Franchise bleibt erhalten. Überall in der Welt finden sich die Körper gefallener Krieger. Wir können diese Shells übernehmen und dadurch unterschiedliche Fähigkeiten und Spielstile freischalten. Während der erste Teil zum Start vier Shells bot, soll Mortal Shell II mit acht spielbaren Shells deutlich mehr Vielfalt bieten. Jede Shell besitzt eigene Stärken, Fähigkeiten und Möglichkeiten, den Kampf zu gestalten. Das Interessante daran: Die Shells sind nicht einfach unterschiedliche Klassen. Sie verändern unseren Spielsti tatsächlich. Gerade dadurch entsteht ein angenehmer Experimentierfaktor. Man wird nicht dauerhaft auf einen einzigen Spielstil festgelegt. Stattdessen lädt Mortal Shell II dazu ein, verschiedene Shells auszuprobieren und herauszufinden, welche Kombination am besten zur eigenen Spielweise passt. Hinzu kommen individuelle Erinnerungen, welches zur Story beiträgt und Fähigkeiten, durch die die Shells stärker mit der Welt und ihrer Vergangenheit verbunden werden.

Waffen mit mehr Persönlichkeit
Auch beim Waffensystem legt Mortal Shell II deutlich zu. Der Vorgänger hatte bereits verschiedene Waffen, doch der Nachfolger erweitert das Konzept mit deutlich umfangreicheren Upgrade-Möglichkeiten. Waffen sollen nicht nur unterschiedliche Schadenswerte besitzen, sondern den eigenen Kampfstil gezielt ergänzen. Das ist besonders wichtig, weil das Spiel wesentlich schneller geworden ist. Eine schwere Waffe kann sich völlig anders spielen als eine schnelle Klinge. Fernkampfwaffen wie Armbrüste erweitern die taktischen Möglichkeiten zusätzlich. Damit öffnet sich Mortal Shell II spielerisch etwas weiter als die klassischen Soulslikes, ohne seine Nahkampfwurzeln aufzugeben. Gerade die Kombination aus Shell, Waffe und Fähigkeiten bildet dadurch einen der spannendsten Teile des Spiels.

Eine Atmosphäre, die ihresgleichen sucht
Wenn Mortal Shell II eine Sache bereits jetzt hervorragend beherrscht, dann ist es Atmosphäre. Verfallene Bauwerke, gigantische Felsformationen und religiös anmutende Monumente erzeugen eine Welt, die permanent das Gefühl vermittelt, dass hier etwas grundlegend falsch gelaufen ist. Die Art Direction ist dabei wesentlich stärker als im ersten Teil. Es fällt stark auf wie viel Wert Cold Symmetry auf die Gestaltung der Umgebungen legt. Man möchte manchzmal einfach stehen bleiben und such alles genauer anschauen, allerdings stehen uns immer wieder Gegner im Wege.

Die Gegnerdesigns gehören zu den Punkten, bei denen Mortal Shell II besonders auffällt. Cold Symmetry setzt auf Kreaturen, die nicht unbedingt klassisch „cool“ aussehen müssen. Viele Gegner wirken verstörend, deformiert oder schlicht falsch. Das passt hervorragend zum Szenario. Auch die Kämpfe selbst sind deutlich spektakulärer als im Vorgänger. Durch die höhere Geschwindigkeit und die neuen Hinrichtungen wirken Kämpfe wesentlich unmittelbarer und machen verdammt großen Spaß!

Technisch deutlich stärker
Auch technisch macht Mortal Shell II einen großen Sprung. Auf der PlayStation 5 Pro macht Mortal Shell II einen fantastischen Eindruck. Trotz größerer Gebiete und teilweise vieler gleichzeitig dargestellter Effekte wurde die Performance positiv aufgenommen. Besonders beeindruckend ist dabei, dass die höhere technische Qualität nicht auf Kosten der Atmosphäre geht. Die Welt wirkt detaillierter, die Animationen sind wesentlich aufwendiger und die Kämpfe präsentieren sich deutlich brutaler. Gerade im direkten Vergleich mit dem Vorgänger wird sichtbar, wie viel Cold Symmetry seit 2020 gelernt hat. Mortal Shell II wirkt nicht wie ein kleines Indie-Soulslike mit größerem Budget. Es wirkt wie die Vision, die der erste Teil bereits andeuten wollte und kann problemlos im AAA Markt mithalten.

Fazit
Mortal Shell II ist das beste Soulslike des Jahres! Mortal Shell II ist genau die Art von Nachfolger, die man sich von einem ambitionierten Soulslike wünscht. Cold Symmetry hat nicht einfach die Welt vergrößert und neue Gegner hinzugefügt. Stattdessen wurde das Grundgerüst des ersten Spiels genommen, analysiert und an vielen Stellen grundlegend verbessert. Das Kampfsystem ist schneller. Die Welt ist größer. Die Shell-Mechanik ist vielseitiger. Die Waffen bieten mehr Möglichkeiten. Und vor allem besitzt Mortal Shell II wesentlich mehr Selbstvertrauen.
Der größte Erfolg des Spiels ist dabei, dass es sich zunehmend weniger wie ein „Dark-Souls-Klon“ anfühlt. Natürlich sind die Wurzeln weiterhin unübersehbar. Schwierige Kämpfe, verlorene Ressourcen, düstere Fantasy Welt, mysteriöse Lore und herausfordernde Bosse gehören weiterhin zum Grundgerüst.
Doch Mortal Shell II setzt seine eigenen Akzente. Die groteske Welt, die Shells, die kompromisslose Brutalität und das deutlich schnellere Kampfsystem ergeben eine Mischung, die überraschend eigenständig wirkt. Besonders interessant ist dabei die Entwicklung vom ersten zum zweiten Teil. Mortal Shell war ein Spiel mit einer guten Idee. Mortal Shell II wirkt wie das Spiel, das Cold Symmetry schon damals machen wollte. Mortal Shell II ist nicht einfach größer als sein Vorgänger. Es ist schneller, brutaler, offener und selbstbewusster.
Aus einem kleinen Soulslike-Geheimtipp wurde tatsächlich eine ernstzunehmende Größe innerhalb des Genres.











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