Elden Ring: Tarnished Edition – im Test (Nintendo Switch 2)

Mit Elden Ring hat FromSoftware 2022 eines der einflussreichsten Open-World-RPGs der vergangenen Jahre veröffentlicht. Die Zwischenlande wurden bereits auf PlayStation, Xbox und PC erkundet, unzählige Befleckte sind gestorben, haben sich an Bossen die Zähne ausgebissen und schließlich den Eldenring beansprucht. Nun wagt das gigantische Action-RPG den Sprung auf die Nintendo Switch 2. Die Elden Ring: Tarnished Edition bringt dabei nicht nur das komplette Hauptspiel auf Nintendos neue Hardware, sondern enthält direkt die umfangreiche Erweiterung Shadow of the Erdtree. Dazu kommen neue Rüstungen, zwei neue Startklassen, zusätzliche Waffen sowie Anpassungsmöglichkeiten für unser treues Spektralross Sturmwind.Doch eine wichtige Frage bleibt: Kann die Switch 2 ein Spiel dieser Größenordnung tatsächlich stemmen?

Ein Meisterwerk für unterwegs

Beginnen wir mit dem Offensichtlichen: Elden Ring ist auch 2026 noch ein fantastisches Spiel. Die Zwischenlande gehören weiterhin zu den faszinierendsten Open Worlds, die wir in einem Videospiel erkunden können. FromSoftware setzt nicht auf eine klassische Checklisten-Open-World, die uns mit Symbolen und Nebenaufgaben erschlägt. Stattdessen wird unsere Neugier belohnt. Hinter jedem Hügel kann ein neuer Dungeon warten, irgendwo am Horizont entdecken wir eine gigantische Burg und aus einem scheinbar harmlosen Wald kann plötzlich ein Kampf entstehen, bei dem wir uns fragen, warum wir überhaupt dort hineingelaufen sind.

Genau dieses Gefühl funktioniert auf der Switch 2 erstaunlich gut. Die Welt ist riesig, abwechslungsreich und gleichzeitig voller Details. Von den goldenen Weiten Limgraves über die düsteren Sümpfe Liurnias bis hin zu den grotesken Landschaften des Zwischenlands besitzt nahezu jedes Gebiet seine eigene Identität. Besonders beeindruckend ist dabei, wie nahtlos die großen offenen Gebiete mit den komplex aufgebauten Dungeons verbunden sind. Die Welt fühlt sich dadurch nicht wie eine Ansammlung einzelner Level an, sondern wie ein zusammenhängender Ort. Und genau das macht die Erkundung so motivierend.

Sterben gehört dazu

Das Kampfsystem ist nach wie vor das Herzstück von Elden Ring. Schwerter, Äxte, Speere, Bögen, Magie, Beschwörungen und zahlreiche andere Waffen lassen uns unseren Charakter beinahe komplett nach den eigenen Vorstellungen gestalten. Wer möchte, kann als schwer gepanzerter Nahkämpfer durch die Welt ziehen. Andere Spieler setzen auf schnelle Waffen, Magie oder Blutungs-Builds. Dank der enormen Anzahl an Waffen, Talismane, Zauber und Asche-des-Krieges-Fähigkeiten entstehen dabei unzählige Möglichkeiten. Das Schöne: Das Spiel schreibt uns kaum vor, wie wir einen Gegner besiegen müssen.

Ein Boss macht Probleme? Dann erkunden wir eben ein anderes Gebiet, sammeln Runen, verbessern unseren Charakter und kommen später zurück. Gerade diese Freiheit unterscheidet Elden Ring weiterhin von vielen anderen Soulslikes. Natürlich bleibt das Spiel anspruchsvoll. Fehler werden bestraft und manche Bosse können uns trotz gutem Equipment innerhalb weniger Sekunden zerlegen. Gleichzeitig bietet Elden Ring inzwischen zahlreiche Möglichkeiten, die Herausforderung etwas zugänglicher zu gestalten. Geisteraschen, NPC-Unterstützung und unterschiedliche Builds sorgen dafür, dass auch Spieler mit weniger Soulslike-Erfahrung eine Chance bekommen.

Shadow of the Erdtree – noch eine Schippe drauf

Ein besonders großer Pluspunkt der Tarnished Edition ist die enthaltene Erweiterung Shadow of the Erdtree. Wer Elden Ring bisher noch nicht gespielt hat, bekommt damit praktisch das komplette Paket. Die Erweiterung führt uns in das Reich der Schatten und setzt dabei auf eine deutlich vertikalere Weltstruktur. Neue Gebiete, Bosse, Waffen, Gegner und eine zusätzliche Fortschrittsmechanik machen Shadow of the Erdtree zu deutlich mehr als einem kleinen DLC. Vor allem die Gestaltung der neuen Gebiete ist beeindruckend. FromSoftware versteht es erneut, uns mit gewaltigen Landschaften, versteckten Wegen und absurden Gegnerdesigns neugierig zu machen.

Der Schwierigkeitsgrad zieht dabei noch einmal spürbar an. Für erfahrene Spieler ist das eine willkommene Herausforderung, Neulinge sollten sich allerdings darauf einstellen, dass die Erweiterung kein gemütlicher Spaziergang wird. Wer Elden Ring liebt, bekommt hier allerdings genau das, was man sich von einer großen Erweiterung wünscht.

Was steckt eigentlich in der Tarnished Edition?

Die Bezeichnung „Tarnished Edition“ klingt zunächst nach einer umfangreichen Neuauflage. Tatsächlich halten sich die zusätzlichen Inhalte allerdings in Grenzen. Neben dem Hauptspiel und Shadow of the Erdtree gibt es unter anderem zwei neue Startklassen: den Idus Knight und den Heavy Knight. Außerdem wurden neue Rüstungssets, Waffen und Anpassungsmöglichkeiten für Sturmwind integriert.

Besonders die Möglichkeit, Sturmwind optisch anzupassen, ist ein nettes Detail. Drei verschiedene Erscheinungsbilder für unser Reittier sorgen dafür, dass wir auch nach vielen Stunden noch etwas Abwechslung bekommen. Revolutionär ist das allerdings nicht. Die neuen Inhalte sind eher eine kleine Zugabe zu einem ohnehin gigantischen Gesamtpaket. Für Besitzer der bisherigen Version auf anderen Plattformen ist die Tarnished Edition deshalb weniger ein Grund, das Spiel erneut zu kaufen. Wer dagegen erstmals in die Welt von Elden Ring eintaucht, bekommt hier die mit Abstand vollständigste Variante für Nintendo-Hardware.

Die große Überraschung: Die Technik

Und dann wäre da noch der Punkt, über den vor der Veröffentlichung besonders viel diskutiert wurde. Die ersten Eindrücke der Switch-2-Version sorgten für Skepsis. Die frühe Version lief teilweise deutlich instabil und ließ Zweifel daran aufkommen, ob Elden Ring auf Nintendos Hardware tatsächlich funktionieren würde. Die Verzögerung hat sich offenbar gelohnt. Die finale Version präsentiert sich wesentlich stabiler.

Elden Ring zielt auf 30 FPS, sowohl im Handheld- als auch im TV-Modus. Diese werden über weite Strecken erstaunlich konstant gehalten. Kleinere Einbrüche können insbesondere in besonders aufwendigen Situationen, bei großen Bossen oder beim Betreten neuer Gebiete auftreten, insgesamt bleibt das Spielerlebnis aber angenehm stabil. Damit erreicht FromSoftware zwar keine 60 FPS, dafür wirkt die Performance deutlich kontrollierter als zunächst befürchtet.

Und genau hier muss man den Kompromiss akzeptieren. Wer Elden Ring auf einem leistungsstarken PC oder einer aktuellen PlayStation beziehungsweise Xbox spielt, bekommt natürlich die technisch bessere Version. Die Switch 2 kann hier nicht mithalten. Aber das ist auch nicht der eigentliche Trumpf dieser Version.

Elden Ring im Handheld

Denn Elden Ring unterwegs spielen zu können, verändert das Erlebnis erstaunlich stark. Im Handheld-Modus macht das Spiel eine sehr gute Figur. Zwar werden unter anderem Beleuchtung, Schatten, Sichtweite und Details reduziert, trotzdem bleibt die charakteristische Atmosphäre erhalten. Die Darstellung wirkt insgesamt erstaunlich scharf und viele Reviews bescheinigen der Switch-2-Version eine sehr überzeugende Bildqualität. Gerade wenn man mit Sturmwind durch die Zwischenlande reitet und plötzlich eine gigantische Landschaft vor sich auftaucht, ist es beinahe absurd, dass ein Spiel dieser Größenordnung auf einem Handheld läuft. Natürlich gibt es kleinere technische Schwächen.

Pop-ins, gelegentliche Framerate-Einbrüche und reduzierte Details sind vorhanden. Auch die 30-FPS-Grenze dürfte manchen Spieler stören. Im Gegenzug sind die Ladezeiten erfreulich kurz und die Unterschiede zwischen Handheld- und TV-Modus fallen geringer aus, als man zunächst erwarten könnte. Für uns ist deshalb gerade der Handheld-Modus eines der größten Argumente für diese Version.

Eine Welt, in der man sich verlieren kann

Was Elden Ring letztendlich so besonders macht, lässt sich nicht auf das Kampfsystem oder die Bosskämpfe reduzieren. Es ist die Atmosphäre. FromSoftware erzählt seine Geschichte nicht ständig über lange Zwischensequenzen. Vieles steckt in Gegenständen, Umgebungen, Charakteren und kleinen Details. Man muss aufmerksam sein. Und genau dadurch fühlt sich die Welt geheimnisvoll an.

Neben den großen Geschichten um Marika, die Halbgötter und den Eldenring sind es häufig die kleineren Charaktere, die uns im Gedächtnis bleiben. Figuren wie Alexander, Ranni, Millicent oder auch der berüchtigte Patches verleihen der Welt Persönlichkeit. Man weiß nie genau, was hinter der nächsten Ecke wartet. Und genau dieses Gefühl bleibt auch auf der Switch 2 erhalten.

Fazit

Elden Ring: Tarnished Edition ist keine komplett neue Version des Meisterwerks – und das muss sie auch nicht sein.

FromSoftware bringt eines der besten Action-RPGs der vergangenen Jahre inklusive Shadow of the Erdtree auf die Nintendo Switch 2 und liefert dabei einen technisch wesentlich überzeugenderen Port ab, als die frühen Eindrücke vermuten ließen.

Die zusätzlichen Inhalte der Tarnished Edition sind überschaubar. Zwei neue Klassen, neue Ausrüstung und Anpassungen für Sturmwind sind nette Extras, rechtfertigen für Besitzer einer anderen Version aber kaum einen erneuten Kauf.

Für Switch-2-Spieler sieht die Sache hingegen anders aus.

Die Möglichkeit, die kompletten Zwischenlande inklusive Shadow of the Erdtree mobil zu erleben, ist schlicht beeindruckend. Die 30 FPS sind nicht perfekt und gelegentliche technische Aussetzer verhindern eine höhere Wertung, doch insgesamt läuft das Spiel erstaunlich stabil.

Elden Ring bleibt ein Meisterwerk. Und die Tarnished Edition beweist, dass dieses Meisterwerk inzwischen tatsächlich in die Hosentasche passt.

Elden Ring: Tarnished Edition
Fazit
FromSoftware bringt eines der besten Action-RPGs der vergangenen Jahre inklusive Shadow of the Erdtree auf die Nintendo Switch 2 und liefert dabei einen technisch wesentlich überzeugenderen Port ab, als die frühen Eindrücke vermuten ließen. Die zusätzlichen Inhalte der Tarnished Edition sind überschaubar. Zwei neue Klassen, neue Ausrüstung und Anpassungen für Sturmwind sind nette Extras, rechtfertigen für Besitzer einer anderen Version aber kaum einen erneuten Kauf.
Positiv
Komplettes Elden-Ring-Erlebnis inklusive Shadow of the Erdtree
Überraschend stabile 30 FPS
Im Handheld-Modus hervorragend spielbar
Kurze Ladezeiten
Neue Klassen, Waffen, Rüstungen
Negativ
Teilweise sichtbare Pop-ins und technische Kompromisse
9
Hervorragend
Hey, ich bin Pascal - 27 Jahre alt und Gründer von Hinsusta. Ich bin für alle Bereiche auf der Webseite zuständig. Mein Schwerpunkt liegt allerdings auf Reviews und News rund um das Thema Current-Gen.