Resonance: A Plague Tale Legacy – im Test (PS5)

Mit Resonance: A Plague Tale Legacy wagt Asobo Studio einen mutigen Neuanfang für die beliebte A-Plague-Tale-Reihe. Statt Amicia und Hugo steht diesmal Sophia im Mittelpunkt – und anstelle von Schleichen und Überleben rücken Schwertkämpfe, Rätsel und actionreiche Abenteuer in den Vordergrund. Doch funktioniert der ungewöhnliche Richtungswechsel?

Resonance: A Plague Tale Legacy ist kein klassisches A Plague Tale 3. Asobo Studio setzt 15 Jahre vor den Ereignissen von A Plague Tale: Requiem an und erzählt die Geschichte der jungen Sophia, die Fans bereits aus dem Vorgänger kennen. Als junge Schmugglerin macht sie sich auf den Weg zur geheimnisvollen Insel des Minotaurus, um Antworten über ihre Vergangenheit zu finden.

Dabei bleibt vom ursprünglichen Spielprinzip zunächst erstaunlich wenig übrig. Die Schleuder von Amicia wird gegen Schwert und Dolch getauscht, vorsichtiges Schleichen weicht dynamischen Nahkämpfen und das mittelalterliche Frankreich wird durch eine mediterrane Welt voller antiker Ruinen und minoischer Mythen ersetzt. Was auf dem Papier wie ein Bruch mit der eigenen Identität klingt, könnte sich letztlich als genau der richtige Schritt für die Reihe erweisen.

Eine neue Heldin für eine neue Geschichte

Die Geschichte von Resonance spielt im Jahr 1333, rund 15 Jahre vor Requiem. Sophia ist zu diesem Zeitpunkt noch deutlich jünger und unerfahrener als die Figur, die Fans aus dem zweiten Teil kennen. Nachdem eine Mission in Venedig katastrophal endet, flieht sie und macht sich gemeinsam mit ihrer Freundin Leni auf den Weg zur Insel des Minotaurus.

Dort beginnt eine Reise, die zunehmend mystischer wird. Sophia wird von Visionen und Erinnerungen heimgesucht und scheint eine Verbindung zu einer längst vergangenen Zeit zu besitzen. Dabei verschmilzt ihre eigene Geschichte mit der des antiken Theseus. Gerade diese Rückblenden gehören zu den interessantesten Elementen des Spiels. Während Sophia die Gegenwart erkundet, erleben Spieler immer wieder Abschnitte aus der Vergangenheit. Dadurch wird nicht nur die Geschichte der Insel erzählt, sondern auch Stück für Stück erklärt, was Sophia mit diesem Ort verbindet.

Schluss mit der Schleuder

Die größte Veränderung findet allerdings beim Gameplay statt. Während Amicia in Innocence und Requiem meist darauf angewiesen war, Gegner auszutricksen, Fallen zu nutzen oder sich aus direkten Konfrontationen herauszuhalten, ist Sophia eine ausgebildete Kämpferin. Sie trägt ein Schwert und einen Dolch und kann damit leichte sowie schwere Angriffe ausführen. Hinzu kommen Paraden, Ausweichmanöver, Tritte und ein Greifhaken. Gegner lassen sich damit beispielsweise von höher gelegenen Positionen herunterziehen oder von Klippen stoßen.

Das Kampfsystem orientiert sich dabei klar an modernen Action-Adventures. Angriffe werden durch unterschiedliche visuelle Signale angekündigt: Gelb markierte Attacken können pariert werden, während roten Angriffen ausgewichen werden muss. Erfolgreiche Paraden bauen zudem eine Leiste auf, mit der Gegner anschließend ins Wanken gebracht werden können. Das erinnert deutlich an Spiele wie Ghost of TsushimaSekiro oder Sifu, ohne diese Systeme einfach zu kopieren. Game Informer berichtet sogar davon, dass Asobo Ghost of Tsushima als wichtige Inspiration für Sophias Kampfsystem verwendet hat. 

Und genau hier scheint Resonance seine größte Stärke zu besitzen. Die Kämpfe als überraschend wuchtig und dynamisch. Gegner können ineinander geschleudert, gegen Wände gedrückt oder über Abgründe getreten werden. Dadurch entsteht ein deutlich körperlicheres Kampfsystem als in den Vorgängern.  Allerdings gibt es auch erste Kritikpunkte. Einige etwas hakelige Animationen, insbesondere bei Ausweichbewegungen und bestimmten Bewegungsabläufen. Auch die Finisher könnten eher abwechslungsreicher sein. Das Kampfsystem ist damit nicht perfekt, besitzt aber deutlich mehr Dynamik als zunächst erwartet.

Zwischen Action und Abenteuer

Wer befürchtet, dass Resonance zu einem reinen Actionspiel geworden ist, darf aufatmen. Neben den Kämpfen spielen Erkundung und Rätsel weiterhin eine zentrale Rolle. Asobo setzt dabei auf ein deutlich stärkeres Action-Adventure-Konzept, das Erinnerungen an Tomb Raider weckt. Sophia besitzt beispielsweise ein Notizbuch, in dem Hinweise und Zeichnungen gesammelt werden. Wer bei einem Rätsel nicht weiterkommt, kann außerdem Leni um einen Hinweis bitten. 

Das wichtigste Werkzeug für die Rätsel ist allerdings eine mysteriöse minoische Kugel. Mit ihr kann Sophia Licht aufnehmen, reflektieren und an bestimmte Stellen der Umgebung lenken. Dadurch werden versteckte Symbole, Wege oder Hinweise sichtbar. Einige Rätsel verlangen sogar, dass Spieler sich den zuvor gesehenen Weg merken und anschließend durch gefährliche Fallen navigieren. Besonders gelungen wirkt dabei die Abwechslung. Die Rätsel bestehen nicht ausschließlich aus dem klassischen „Finde den richtigen Weg“-Prinzip. Stattdessen wechseln sich Plattforming, Lichtmanipulation, Umgebungsrätsel und kleinere Geschicklichkeitsaufgaben ab.

Fazit

Resonance: A Plague Tale Legacy will keine bloße Fortsetzung sein, sondern ein eigenständiges Action-Adventure im vertrauten Universum. Der Wechsel von hilfloser Anspannung zu offensiver Schwert-Action ist riskant, passt aber nachvollziehbar zu Sophia als Protagonistin. Resonance ist ein fantastisches Action-Adventure, welches eine emotionale und interessante Story erzählt. Mit einer Spielzeit von etwa 15h fällt das Abenteuer zwar kurz aus, überzeugt allerdings mit einer gelungenen Story und abwechslungsreichem Gameplay.

Resonance: A Plague Tale Legacy
Fazit
Resonance: A Plague Tale Legacy will keine bloße Fortsetzung sein, sondern ein eigenständiges Action-Adventure im vertrauten Universum. Der Wechsel von hilfloser Anspannung zu offensiver Schwert-Action ist riskant, passt aber nachvollziehbar zu Sophia als Protagonistin. Resonance ist ein fantastisches Action-Adventure, welches eine emotionale und interessante Story erzählt
Positiv
Emotional gelungene Story
Abwechslungsreiches Gameplay
Fantastische Kulisse
Negativ
Häufig starke Framedrops
8
Sehr Gut
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