[Preview] Tomb Raider: Legacy of Atlantis

Lara Croft ist zurück. Und diesmal geht es tatsächlich zurück zu ihren Wurzeln. Mit Tomb Raider: Legacy of Atlantis wagt sich Crystal Dynamics gemeinsam mit Flying Wild Hog an eine Neuinterpretation des Spiels, mit dem 1996 alles begann. Dabei handelt es sich ausdrücklich nicht um eine einfache technische Neuauflage. Das ursprüngliche Abenteuer wird vielmehr komplett neu gedacht, erweitert und mit modernen Gameplay-Systemen versehen. Wir konnten dank Amazon Games bereits hinter verschlossenen Türen das neue Level aus Griechenland sehen und verraten euch, was wir gesehen haben.

Wir konnten einen ausführlichen Blick auf die überarbeitete Griechenland-Passage werfen. Besonders interessant war dabei der Abschnitt rund um St. Francis’ Folly und den Damokles-Raum. Gleichzeitig zeigt die aktuelle Version des Spiels deutlich, wie schwierig es ist, ein fast 30 Jahre altes Abenteuer zu modernisieren, ohne dessen ursprüngliche Identität zu verlieren. Nach unserem Eindruck könnte genau dieser Spagat die größte Stärke, aber auch das größte Risiko von Legacy of Atlantis werden.

Ein Klassiker wird neu gedacht

Tomb Raider: Legacy of Atlantis basiert auf dem ersten Tomb Raider von 1996 mit einigen Elementen aus Tomb Raider Anniversary. Die Geschichte bleibt dabei grundsätzlich vertraut: Lara Croft begibt sich auf die Suche nach den Fragmenten des Scion, einem mächtigen Artefakt, das sie von den peruanischen Ruinen bis nach Griechenland und Ägypten führt. Wer das Original kennt, wird deshalb viele bekannte Schauplätze wiedererkennen. Doch bereits beim ersten Blick wird klar, dass Crystal Dynamics und Flying Wild Hog nicht einfach versuchen haben, die alten Level in Unreal Engine 5 nachzubauen. Die Entwickler nehmen die ursprünglichen Schauplätze vielmehr als Grundlage und bauen sie deutlich aus.

Die Schauplätze wirken nicht mehr wie voneinander getrennte Levelabschnitte. Stattdessen entstehen größere, miteinander verbundene Areale, die Lara deutlich freier erkunden kann. Gerade dieser Ansatz gefällt uns ausgesprochen gut. Wir haben außerdem gefragt, wie die Struktur der Level ist. Hierzu hat uns Flying Wild Hog klar mitgeteilt, dass der Fokus auf linearen Levels liegt. Größere Open Areas wie in Rise of the Tomb Raider wird es nicht geben. Das Original lebt bis heute von seinem Gefühl der Entdeckung. Lara läuft nicht einfach von einem Missionsmarker zum nächsten. Sie befindet sich in einer unbekannten Welt, sucht nach Wegen, beobachtet ihre Umgebung und versucht herauszufinden, wie die einzelnen Mechanismen miteinander verbunden sind. Genau dieses Gefühl soll Legacy of Atlantis wiederbeleben.

Unreal Engine 5 macht aus bekannten Orten neue Abenteuer

Grafisch spielt Legacy of Atlantis natürlich in einer völlig anderen Liga als das Tomb Raider von 1996. Die Unreal Engine 5 sorgt für detaillierte Umgebungen, realistische Beleuchtung und wesentlich lebendigere Landschaften. Besonders die gezeigten Abschnitte in Griechenland profitieren von der neuen Technik. Sonnenstrahlen brechen durch Öffnungen in alten Ruinen, Staubpartikel schweben durch die Luft und die gigantischen Bauwerke wirken nicht mehr wie Kulissen, sondern wie tatsächlich begehbare Orte.

Doch besonders interessant ist, dass Crystal Dynamics und Flying Wild Hog offenbar nicht versuchen, einfach möglichst viel auf den Bildschirm zu packen. Die Entwickler betonen, dass Erweiterungen immer aus der Perspektive des Originals betrachtet wurden. Neue Elemente sollen sich also so anfühlen, als hätten sie bereits 1996 Bestandteil dieser Welt sein können. Das ist eine wichtige Entscheidung, denn ein Tomb Raider, das plötzlich wie ein beliebiges modernes Open-World-Spiel funktioniert, wäre vermutlich genau das Gegenteil dessen, was Fans erwarten.

St. Francis’ Folly: Bekannt und trotzdem neu

In unserer Preview Session stand insbesondere der Abschnitt St. Francis’ Folly im Mittelpunkt. Wer das Original kennt, weiß, was hier auf Lara wartet: mehrere Räume, antike Mechanismen und natürlich der berüchtigte Damokles-Raum. Die Grundidee bleibt erhalten. Doch der Aufbau wurde deutlich modernisiert. Der Damokles-Raum ist weiterhin eine tödliche Falle, bei der riesige Schwerter von der Decke herabstürzen können. Gleichzeitig wurde der Bereich stärker in die Umgebung integriert und um neue Bewegungs- und Rätselmechaniken ergänzt. Gerade hier zeigt sich, was Crystal Dynamics unter einer Neuinterpretation versteht. Man kennt den Raum. Man kennt die Idee.Aber man weiß nicht mehr automatisch, wie man ihn lösen muss. Und genau das ist vermutlich einer der wichtigsten Punkte des gesamten Spiels.

Rätsel sollen wieder wichtiger werden

Während die moderne Tomb-Raider-Reihe häufig deutlich stärker auf Action und Inszenierung setzte, möchte Legacy of Atlantis wieder mehr Wert auf Erkundung und Rätsel legen. Und das merkt man bereits an den gezeigten Passagen. Rätsel können unter anderem mit Wasser, Licht, Spiegeln, Druckplatten oder antiken Symbolen arbeiten. Gegenstände, die Lara in ihrer Umgebung findet, können später für Mechanismen benötigt werden. Dabei sollen die Rätsel nicht einfach nur aus offensichtlichen Interaktionspunkten bestehen. Die Umgebung selbst wird zum Rätsel.Man sieht einen Mechanismus, weiß aber zunächst nicht, wofür er gedacht ist. Man entdeckt einen anderen Raum und stellt später fest, dass beide Elemente zusammengehören.Das erinnert deutlich stärker an das klassische Tomb Raider als an viele moderne Action-Adventures.

Ganz ohne Komfortfunktionen kommt Legacy of Atlantis allerdings nicht aus. So gibt es beispielsweise einen Scanner, der Lara bei der Suche nach interaktiven Objekten unterstützen kann. Auch Hinweise und zusätzliche Informationen zur Spielwelt sollen optional abrufbar sein. Das Entscheidende dabei: Diese Systeme sollen nicht zwingend eingesetzt werden müssen. Wer lieber selbst herausfinden möchte, wie ein Rätsel funktioniert, kann sich entsprechend zurückhalten. Das ist ein sinnvoller Kompromiss. Denn moderne Spieler sind an deutlich mehr Komfort gewöhnt als 1996. Gleichzeitig würde es dem Spiel schaden, wenn jede Lösung permanent eingeblendet wird. Legacy of Atlantis scheint deshalb zumindest auf dem Papier den richtigen Weg zu wählen: Hilfestellungen sind vorhanden, aber nicht zwingend notwendig.

Lara Croft ist wieder die Akrobatin

Auch Lara selbst wurde deutlich modernisiert. Dabei orientiert sich ihre Bewegung nicht ausschließlich an den letzten drei Tomb-Raider-Spielen. Vielmehr versucht Crystal Dynamics, Elemente der ursprünglichen Lara zurückzubringen. Sprünge, Rollen, Ausweichmanöver und akrobatische Bewegungen spielen erneut eine wichtige Rolle. Das gilt auch für die Kämpfe. Eine der interessantesten Neuerungen ist das sogenannte Fokus-System. Durch Aktionen im Kampf (etwa verursachten oder erlittenen Schaden und Ausweichmanöver) lädt sich eine Fokus-Leiste auf. Ist sie gefüllt, kann Lara die Zeit verlangsamen und dadurch besonders akrobatische Manöver ausführen. Das klingt zunächst nach einer typischen modernen Action-Mechanik. Interessanterweise soll sie aber gleichzeitig dazu dienen, das Verhalten der klassischen Lara wieder aufleben zu lassen.

Und ja: Lara trägt wieder ihre ikonischen Zwillingspistolen. Die Waffen fühlen sich in Legacy of Atlantis deutlich stärker wie ein Teil von Laras Identität an. Während die Survivor-Trilogie mit einem deutlich größeren Arsenal arbeitete, möchte das neue Spiel die ursprünglichen Waffen stärker in den Mittelpunkt stellen. Interessanterweise soll sogar ein Spielstil möglich sein, bei dem Spieler weitgehend bei den klassischen Zwillingspistolen bleiben können. Das dürfte insbesondere für Fans der ersten Spiele interessant sein. Gleichzeitig gibt es weitere Waffen und moderne Systeme. Damit bewegt sich Legacy of Atlantis zwischen zwei Welten. Einerseits möchte es das Tomb Raider von damals zurückbringen. Andererseits soll es sich nicht wie ein Spiel aus den 90ern spielen.

Auch Crafting und Skill-Systeme sind dabei

Hier dürfte die Fan-Gemeinde vermutlich am stärksten diskutieren, denn Legacy of Atlantis übernimmt einige Elemente aus moderneren Tomb-Raider-Spielen. Dazu gehören unter anderem Crafting und Skill-Systeme. Auf dem Papier wirkt das zunächst etwas befremdlich. Braucht ein Tomb Raider, dessen Kern eigentlich aus Erkunden, Springen, Schießen und Rätseln besteht, wirklich ein Crafting-System? Unsere Antwort nach dem bisherigen Eindruck lautet: Es könnte funktionieren, solange es nicht zum Mittelpunkt wird. Genau hier liegt die entscheidende Balance. Wenn Ressourcen plötzlich wichtiger werden als die eigentliche Erkundung, verliert das Spiel einen Teil seiner Identität. Wenn sie dagegen lediglich zusätzliche Möglichkeiten eröffnen, ohne den Spielfluss zu unterbrechen, könnten sie tatsächlich sinnvoll sein. Zumindest aktuell scheint Crystal Dynamics diese Systeme nicht übermäßig in den Vordergrund zu stellen.

Natürlich bleibt Tomb Raider ein Action-Adventure. Lara trifft auf Wölfe, Raptoren und andere Gegner. Besonders das Lost Valley demonstriert, wie stark die Kämpfe gegenüber dem Original erweitert wurden. Die Entwickler setzen dabei auf deutlich dynamischere Begegnungen. Gegner reagieren intelligenter, greifen aus unterschiedlichen Richtungen an und zwingen Lara häufiger dazu, ihre Bewegungen einzusetzen. Der Fokus-Modus soll dabei helfen, die Kämpfe spektakulärer zu gestalten. Und trotzdem bleibt ein wichtiger Unterschied bestehen: Lara soll nicht wie eine unverwundbare Actionheldin wirken. Sie ist weiterhin eine Abenteurerin, die sich durch gefährliche Ruinen bewegt. Gerade diese Verletzlichkeit war ein wichtiger Bestandteil des ursprünglichen Tomb Raider.

Die Atmosphäre stimmt

Was uns auf der Gamescom besonders positiv aufgefallen ist, war die Atmosphäre. Legacy of Atlantis wirkt nicht wie ein knallbuntes Actionspiel. Die Ruinen sind geheimnisvoll. Die unterirdischen Bereiche wirken teilweise bedrohlich und die gewaltigen antiken Bauwerke vermitteln wieder dieses Gefühl, dass Lara einen Ort betritt, an dem seit Jahrhunderten niemand mehr gewesen ist. Gerade hier spielt die Unreal Engine 5 ihre Stärken aus. Die Lichtstimmung trägt wesentlich dazu bei, dass bekannte Schauplätze plötzlich wieder fremd wirken. Und genau das muss ein neuinterpritiertes Remake schaffen. Es darf nicht nur vertraut sein. Es muss gleichzeitig wieder neugierig machen, vorallem für die Fans!

Ein schwieriger Spagat

Tomb Raider: Legacy of Atlantis steht vor einer ungewöhnlich schwierigen Aufgabe. Auf der einen Seite stehen Fans, die das Original lieben. Auf der anderen Seite stehen Spieler, die mit Tomb Raider vielleicht erst durch die Survivor-Trilogie in Berührung gekommen sind. Für die erste Gruppe darf das Spiel nicht zu modern werden. Für die zweite darf es nicht zu altmodisch wirken. Crystal Dynamics und Flying Wild Hog versuchen deshalb, beide Seiten zusammenzubringen. Die Levelstruktur bleibt an vielen Stellen klar erkennbar. Die Rätsel werden modernisiert. Das Movement wird erweitert. Die Kämpfe werden dynamischer und gleichzeitig bleiben ikonische Elemente wie die Zwillingspistolen, bekannte Schauplätze und klassische Fallen erhalten. Dass die Entwickler diesen Ansatz nicht einfach als Remake, sondern als komplette Neuinterpretation bezeichnen, ist deshalb durchaus nachvollziehbar.

Unser Ersteindruck

Nach dem gezeigten Material hinterlässt Tomb Raider: Legacy of Atlantis einen überraschend starken ersten Eindruck. Vor allem gefällt uns, dass Crystal Dynamics nicht versucht, das Original eins zu eins nachzubauen. Das wäre aus heutiger Sicht vermutlich zu wenig. Stattdessen wird das Abenteuer erweitert, ohne seine wichtigsten Eigenschaften komplett über Bord zu werfen. Die neuen Umgebungen sehen fantastisch aus, die Rätsel scheinen wieder einen größeren Stellenwert einzunehmen und Laras Bewegungsfreiheit wurde deutlich verbessert. Auch das Kampfsystem könnte eine interessante Mischung aus klassischem Tomb Raider und moderner Action werden.

Allerdings bleiben einige Fragen offen. Wie gut funktionieren Crafting und Skill-System tatsächlich? Wie abwechslungsreich sind die Kämpfe über das komplette Spiel hinweg? Wie häufig greift das Spiel auf Fokus und andere moderne Komfortmechaniken zurück? Und vor allem: Schafft es Legacy of Atlantis tatsächlich, die Einsamkeit und das Gefühl der Entdeckung des Originals über die gesamte Kampagne hinweg aufrechtzuerhalten? Genau darauf wird es letztendlich ankommen.

Fazit

Tomb Raider: Legacy of Atlantis sieht aktuell nach deutlich mehr aus als einem simplen Remake.

Crystal Dynamics nimmt Laras erstes Abenteuer als Fundament und baut darauf ein modernes Tomb Raider, das gleichzeitig seine Wurzeln nicht vergessen möchte. Die Closed-Session Demo zeigt dabei eindrucksvoll, wie gut dieser Ansatz funktionieren kann. Die beeindruckende Unreal-Engine-5-Grafik trifft auf klassische Schauplätze. Moderne Bewegungs- und Kampfsysteme treffen auf Rätsel, Fallen und Erkundung. Und Lara Croft darf wieder deutlich stärker die akrobatische Abenteurerin sein, die sie einmal war.

Natürlich bleibt abzuwarten, ob der Mix aus klassischen Elementen und modernen Systemen am Ende wirklich harmoniert. Doch nach dem aktuellen Stand sind wir optimistisch.

Tomb Raider: Legacy of Atlantis könnte genau das Tomb Raider werden, das sowohl alte Fans als auch eine neue Generation von Spielern abholt.

Und wenn Crystal Dynamics diesen Spagat bis zum Ende durchzieht, könnte Lara Crofts erstes Abenteuer 2027 tatsächlich noch einmal zu einem der spannendsten Action-Adventures des Jahres werden.

Tomb Raider: Legacy of Atlantis erscheint am 12. Februar 2027 für PlayStation 5, Xbox Series X|S, PC und Nintendo Switch 2.

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